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Schmarotzer - Oktober

Der hohe Gefährdungsgrad bzw. starke Rückgang hängt unzweifelhaft mit der komplizierten Biologie der Sommerwurzarten zusammen. Sie alle sind nämlich Schmarotzer. Das heißt, sie besitzen selbst kein Chlorophyll, sondern sind in ihrer Existenz auf andere Pflanzen angewiesen, von denen sie sich Nährstoffe abzweigen. Diese Wirtspflanzen können ganz triviale oder selbst seltene Arten sein. Kennzeichnend für die meisten Sommerwurzsippen ist ihre Bindung an ganz bestimmte Arten oder Gattungen. Dennoch kommen diese – aufgrund des fehlenden Chlorophylls häufig bleichen – Pflanzen sehr viel seltener vor als ihre Wirte. Offensichtlich reicht die Anwesenheit der Wirtspflanzen allein für die Existenz der einzelnen Orobanche nicht aus. Die Kenntnisse über die weiteren ausschlaggebenden Faktoren sind noch recht dürftig. Auffällig sind die von Jahr zu Jahr zum Teil großen Schwankungen in der Populationsgröße. Dies könnte mit klimatischen Ursachen zusammenhängen. Tatsächlich besiedeln die Sommerwurzarten vor allem klimatisch begünstigte Standorte. Dies gilt gleichermaßen klein- wie auch großräumig. So trifft man die Orobanchen im mediterranen Raum auch heute noch vielerorts an. Zusätzlich scheint die zunehmende Intensität der Landnutzung mit dem damit einhergehenden Stickstoffeintrag neben der direkten Lebensraumvernichtung eine Rolle beim Rückgang dieser interessanten Gattung zu spielen.

Obwohl die meisten heimischen Orobanchen Wildpflanzen bevorzugen, befallen einige wenige auch Kulturpflanzen. An Gehölzen schmarotzen in Mitteleuropa nur wenige Arten: die Hain-Sommerwurz (O. Quorum) fast ausschließlich auf der Berberitze, die Ginster-Sommerwurz (O. rapum-genistae) auf Ginsterarten und die Efeu-Sommerwurz (O. hederae) auf Efeu. Neben anderen Schmetterlingsblütlern schmarotzt die Zierliche Sommerwurz(O. gracilis) auch auf Ginster.

Die Wahrscheinlichkeit, heute in freier Landschaft durch Zufall auf eine Orobanche zu treffen ist nicht sehr groß. Wer eine lebendige Anschauung von einem ihrer Vertreter bekommen möchte, hat in manchen botanischen Gärten Gelegenheit dazu. Die Efeu-Sommerwurz (O. hederae) lässt sich auf ihrer Wirtspflanze offensichtlich relativ einfach kultivieren.

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