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Informationsveranstaltung Jagd


Kammerbauer griff die große Palette von Themen auf, die ihm von der FBG vorgelegt worden waren: Rehbockabschuss im Winter, Gesellschaftsjagd, Treibjagd, Drückjagd, Ablenkfütterung, Kirrung, Fütterung, Hege, Fütterung, Notzeit einschließlich der missbräuchlichen Wildfütterung, Geltendmachung von Wildschaden gemäß § 34 (BJagdG), der Einsatz von Schutzvorrichtungen gemäß § 32 (BJagdG) und die Frage der Hauptholzarten bzw. Hauptbaumarten. Wer bei dieser Themenpalette an langweilige und trockene Ausführungen dachte, hatte sich gründlich getäuscht. Kammerbauer verstand es, diese vielfältigen Themen hoch interessant darzustellen. Die zahlreichen Nachfragen unterstrichen dies. Und Kammerbauer blieb keine Antwort schuldig, verwies aber immer wieder auf gesetzlich nicht eindeutig festgelegte Abgrenzungen, wodurch die Handhabung naturgemäß schwieriger wird. Ein solcher Bereich ist z.B. die Definition von „Notzeit“, in der gefüttert werden muss und ohne die nicht gefüttert werden darf! Ebenfalls unscharf zeigt sich der Gesetzesbegriff „Hauptholzarten“, der zudem rein forstlich betrachtet nochmals eine andere Bedeutung hat als das herkömmlich verwendete Reden von „Hauptbaumarten“. Für die Inhaber des Jagdrechts vereinfacht sich manches, wenn im Jagdpachtvertrag eindeutige Festschreibungen getroffen werden. Dass bei der Wildschadensfrage inzwischen vermehrt Deckelungen bzw. eine Aufteilung auf Grundeigentümer und Pächter erfolgt, sei nicht zu übersehen. Mitverursacht ist dies durch die Schwarzwildproblematik, deren Schadenshöhe oftmals einfach nicht abzuschätzen ist. Besonders bei waldfreundlicher Bejagung sei ein geringerer Pachtschilling oftmals mehr wert als eine hohe Pacht mit hohen Rehwildbeständen.
Nachdem aufgrund der regen Nachfrage der Vortrag von Robert Kammerbauer weit über eineinhalb Stunden andauerte und dabei viele Fragen zur Wildschadensentschädigung im Wald bereits besprochen waren, konnte sich Armin Heidingsfelder, Geschäftsführer der Forstlichen Vereinigung Mittelfranken, mit seinem Referat zur Wildschadensproblematik kurz halten. Auch er unterstrich, dass möglichst eindeutige Festlegungen im Jagdpachtvertrag hilfreich sind. Bewährt haben sich die Vorgaben des sog. „Rosenheimer Modells“, bei dem pro geschädigter Pflanze feste Kostensätze festgelegt werden. Das aufwändige Schätzen und die oftmals nachfolgende, kostenintensive Prozedur, die nicht selten vor Gericht endet, werden damit umgangen. Hauptholzarten, die im Jagdpachtvertrag festgeschrieben sind, erleichtern das Einfordern von Wildschadensersatz. Wie Kammerbauer wies auch Armin Heidingsfelder darauf hin, dass Drittelungen von Wildschäden im Jagdpachtvertrag nicht rechtens sind. Ein „Opfer“, in diesem Fall der Waldbesitzer, kann nicht dafür belangt werden, dass er „Opfer“ ist.
Dr. Wolfgang Kornder, Vorsitzender des ÖJV Bayern, stellt dann eine der bewährten Eigenbewirtschaftungen Bayerns, die Jagdgenossenschaft Kay, Gemeinde Tittmoning in Südost-Oberbayern, vor. Dort entstanden bei den Stürmen 1990 enorme Schäden. In der anschließenden Aufforstungsphase zeigte sich hinter Zaun eine bis dahin nicht für möglich gehaltene Naturverjüngung. Auch die bis dahin nur sehr gering vertretene Tanne, die im Frühstadium schon weggefressen wurde, war nun vielerorts vertreten. Nachdem von Pächterseite keine Änderung zu erwarten war, nahmen die Jagdgenossen das Heft selbst in die Hand und gründeten eine Eigenbewirtschaftung, die nach einem kräftigen Reduktionsabschuss bis heute eine reiche Naturverjüngung hervorbringt und das Einbringen von Edellaubholz in den fichtendominierten Waldungen problemlos ermöglicht.

Exkursion in der JG Wernsbach
Theorie ist das eine, die wichtigere Umsetzung das Andere. Und die konnten sich die Waldfunktionäre am nächsten Tag in Wernsbach anschauen. Wie Jagdvorstand Bernhard Popp unmissverständlich zum Ausdruck brachte, war es ein steiniger Weg, zusammen mit dem damaligen neuen Jagdpächter Hans Webersberger eine jagdliche Neuausrichtung einzuleiten. Die bis nur Neuverpachtung hohen Fallwildzahlen und Dutzende Verkehrsunfälle mit Rehwild gibt es heute so gut wie nicht mehr, betonte Webersberger (s. Statistik unten). Der Abschuss wurde hochgesetzt und auch erfüllt und – wie nicht anders zu erwarten – die Naturverjüngung begann zu wachsen und gepflanzte Jungbäumchen konnten ohne Zaun oder Einzelschutz eingebracht werden. Die klimatolerante Tanne kann inzwischen einzeln und ohne Schutzmaßnahmen untergepflanzt werden.

Viele der Exkursionsteilnehmer staunten über den weitestgehend zaunlosen Wald, der sich vital und vielfältig auch mit Laubholz verjüngt. Da die Gemeinde Weihenzell im Gemeindewald ihre Trinkwasserbrunnen hat, kommt dem Laubholz eine besondere Bedeutung zu, weil dadurch der Versauerung entgegengewirkt wird, was der Wasserqualität zu Gute kommt. Und natürlich speichert ein intakter Wald auch mehr Wasser.
Dass es bei der Umsetzung so manchen Ärger und so manche Schwierigkeit vor allem mit angrenzenden Jägern gab, klang immer wieder an. Doch ohne eine waldfreundliche, effektive Jagd gäbe es diese vielfältige Verjüngung nicht. Hans Webersberger und andere erklärten deshalb Jagdmethoden und Abschusskriterien. Wer die Gesetzesvorgabe „Wald vor Wild“ umsetzen will, muss Bewegungsjagden, Sammelansitze und sinnvoll ausgeübte Einzelansitze miteinander kombinieren, Hochsitze in dem sich verändernden Wald laufend umstellen und die richtigen Mitjäger rekrutieren. Trophäenhege gibt es nicht. Rehwild wird nach den Vorgaben des Jagdgesetzes bejagt. Es gilt „Zahl vor Wahl“. Dass dies nicht nur dem Wald, sondern auch dem Rehwild zugute kommt, zeigt dessen körperlicher Zustand: Der Durchschnitt des Rehwildgewichtes stieg um mehrere Kilogramm. Kümmerndes und krankes Rehwild gibt es so gut wie nicht mehr. Deckung und Äsung haben zugenommen; besser kann es einem Rehwildbestand nicht gehen. Über drei Stunden dauerte die Exkursion, ein Zeichen für das Interesse der Teilnehmer.

Resümee
Theorie und Praxis hatten sich so ideal ergänzt. So bleibt zu hoffen, dass die Teilnehmer Impulse von dem hier Gesehenen und Gehörten mitnehmen und diese umsetzen. Nicht nur der im Hinblick auf den Klimawandel notwendige Waldumbau sondern auch das gesündere Rehwild, die zurückgehenden Verkehrsunfälle, der größere wirtschaftliche Gewinn und die funktionierenden Wohlfahrtsfunktionen des Waldes bis hin zur Wasserspeicherung danken für diese waldfreundliche Jagd. Angepasste Wildbestände sind damit nicht nur für die Waldbesitzer, sondern für die gesamte Gesellschaft ein Gewinn.

Dr. Wolfgang Kornder u.a.

 

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